Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen

Hast du dich schon einmal gefragt, weshalb du bestimmte Asanas üben und beherrschen möchtest? Gefällt dir die Vorstellung von dir selbst in einer besonders akrobatischen und kraftvollen Haltung? Was bleibt von deiner Vorstellung von Yoga übrig, wenn du den körperlichen Aspekt rausnimmst? Warum übst du Yoga?

All diese Fragen habe auch ich mir auf meinem bisherigen Yogaweg gestellt. Ich bin überzeugt davon, dass es speziell auf die Frage, warum wir Yoga praktizieren, für jede Person und den jeweiligen Moment eine individuelle Antwort gibt. Durch die Inspiration und Unterstützung all der Yogalehrer*innen, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben sowie meine Yogapraxis, konnte ich im Laufe der Zeit meine Antworten auf diese Fragen finden.

Seitdem ich selbst unterrichte, stellen sich mir die Fragen nach Zielen und Leistungen im Yoga noch einmal anders. Als Yogalehrerin bin ich nicht auf meiner Yogamatte, um mich selbst zu präsentieren, sondern um Yoga zu lehren. Ich finde es ungemein wichtig, Haltungen in dem Maße vorzumachen, wie sie für meine Teilnehmer*innen auf eine gesunde Weise erreichbar und umsetzbar sind.

R. Sriram schreibt in seinem Buch „Yoga. Neun Schritte in die Freiheit“, im Kapitel Yogatechnik:

„Leider machen wir in unserem Alltag mit unserem Körper vieles verkehrt: Wir üben Gewalt auf den Körper aus, missachten und überhören ihn.“

Viele berufliche Tätigkeiten und alltägliche Handlungen bringen falsche Belastungen des Körpers mit sich. Wenn du den ganzen Tag am Schreibtisch sitzt, missachtest du mit Sicherheit die Bedürfnisse deiner Wirbelsäule und ignorierst, dass deine Muskulatur für diese andauernde und gleichförmige Überlastung nicht ausgelegt ist.

In unserem Alltag lässt es sich manchmal leider kaum vermeiden, dass der Körper „überhört“ wird. Doch Yoga bietet dir die Chance, wieder auf deinen Körper zu achten. Du kannst ihm hier freundlich und wertschätzend entgegenkommen. Ich möchte dich einladen, bewusst zu erleben was auf deiner Yogamatte geschieht, deine persönlichen Grenzen zu erkennen und anzunehmen.

Denn nicht alle Haltungen sind für alle sinnvoll. Genauso wie sich die Bewegung an den Fluss des Atems anpasst, passt sich Yoga an den Menschen an. Gerade wir Menschen im Westen, die wir Yoga für uns entdecken, sollten bedenken, dass es einer angepassten Yogapraxis bedarf, um gewaltfrei zu üben.

Das Schöne ist, dass sich deine Erfahrungen des achtsamen und gewaltlosen Umgangs aus den Yogastunden wieder in deinen Alltag übertragen lassen: Nimm sie dorthin mit!

Yoga kann uns so viel erkennen und lernen lassen. Akrobatische Haltungen sind hierfür nicht dringend notwendig.

Vor Kurzem habe ich „Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück“ von Francois Lelord gelesen. Es ist ein wunderbares Buch, das ich di r empfehlen kann. Die erste Lektion lautet: Vergleiche anzustellen ist ein gutes Mittel, sich sein Glück zu vermiesen.

Namasté