Yoga

Abhyasa und Vairagya

Fortwährend auf des Gleiche ausgerichtet zu sein, das ständige Bemühen um die Verwirklichung der gleichen Aufgabe ist Abhyasa. Vairagya ist der Gleichmut, der Abstand schafft; die Fähigkeit, sich nicht unmäßig zu erregen.

Yoga Sutra I.13-15

Abhyasa und Vairagya sind Willenskraft und die Herzensgüte der Weisen.

Obwohl wir heute viel Erleichterung durch zeitsparende Geräte und Einrichtungen haben, verfügen wir offensichtlich über immer weniger Zeit. Die gleiche Erfahrung macht jeder Mensch im Verlauf seines Lebens: je mehr Zeit man spart, desto mehr scheint es als verlöre man sie. Und je beharrlicher man Zielen nachjagt – angetrieben von einer unbekannten Kraft – desto mehr scheint man sich von Ihnen zu entfernen. Es wirkt wie ein Kampf gegen die dahinschwindende Zeit. Wir erwachen und fühlen uns ausgelaugt und gestresst. Wir fragen uns wozu das Alles?

Yoga bietet hierzu die Antwort. Allerdings handelt es sich hierbei um eine Philosophie, die gelebt werden sollte. Es reicht nicht aus Abhyasa und Vairagya Intellektuell zu begreifen. Der ganze Mensch, mit all seinen Seinsebenen muss sich damit auseinandersetzen. Das verändern des Verhaltens auf körperlicher, emotionaler, psychischer und zwischenmenschlicher Ebene gehört dazu. Dies erfordert regelmäßige Übung und ständige Umsetzung der Konzepte. Sonst bleibt das Wissen nur Theorie. Abhyasa und Vairagya besagen, dass alle Bemühungen im Leben, die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sind – zum Beispiel auf das berufliche Fortkommen – aus einer ruhigen fliesenden inneren Triebkraft kommen sollten. So können wir es vermeiden, dem unbewussten, unachtsamen und blinden Streben des Geistes zu unterliegen, das uns von den eigenen Wünschen und Zielen entfernt.

Abhyasa ist die Kraft eines harmonischen und aktiven Geistes. Durch regelmäßiges und zielgerichtetes Üben kann dieser Zustand geschult werden. Diese innere Haltung verbunden mit Offenheit hilft, die einzelnen Schritte immer wieder neu zu überprüfen und Fehler zu korrigieren. Wer die eigne Yogapraxis, ob nun allein zuhause oder in einer Gruppe, abgespult wird wie ein Pflichtprogramm und sie nicht genießt, erschwert sich das Leben eher als die gewünschte Erleichterung zu erfahren. Je langsamer wir in unserer Yogapraxis werden, umso genussvoller erleben wir das Üben, umso freudiger beschreiten wir unseren Yogaweg. Das Tempo der Zeit wird gebrochen.

Quelle: R. Sriram, Yoga Neun Schritte in die Freiheit.

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